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Oktober 2019

In Shoppinglaune

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"Euro am Sonntag" Nr. 38/2019 vom 21.09.2019 Seite 24,25 Ressort: Märkte

Wirecard fädelt eine Kooperation nach der anderen ein. In der  vergangenen Woche hat das Unternehmen aus Aschheim bei München zunächst  eine Zusammenarbeit mit Unionpay, dem weltweit größten  Kreditkartenemittenten vor Visa und Mastercard bekannt gegeben. Dann hat  der japanische Technologiefonds Softbank die Kooperation mit Wirecard  besiegelt, indem der Investor über eine Wandelschuldverschreibung 900  Millionen Euro angelegt und sich damit 5,6 Prozent der Anteile gesichert  hat.

Schon zuvor hat Wirecard Partnerschaften mit zwei Unternehmen  aus dem Portfolio von Softbank bekannt gegeben -mit dem  Online-Gebrauchtwagenhändler Auto1 und dem Mobilfunkanbieter Brightstar.  Mit vier weiteren Softbank-Beteiligungen ist Wirecard-Gründer und -Chef  Markus Braun wohl in Gesprächen. Hinzu kommt eine Vereinbarung mit dem  Discounter Aldi, die Technik der Bezahltransaktionen im Onlineshop sowie  der kontaktlosen Zahlungen an der Ladenkasse zu übernehmen -woran  Wirecard verdient.

Die Partnerschaft mit Unionpay war den Analysten der Baader  Bank eine eigene Studie wert. Sie zeige, dass die Umsatzwachstumsraten  von jeweils mehr als 35 Prozent 2018 und dem ersten Halbjahr 2019 kein  "One Trick Pony", also kein einmaliges Phänomen, seien. Wirecards  Wachstumspfad sei nachhaltig, so ihr Urteil. Denn dank Unionpay  expandiere Wirecard nach China.

"Der chinesische Markt ist gigantisch, wir erwarten ein  signifikantes Wachstum durch die Zusammenarbeit mit Union Pay", sagte  Braun. Der mit sieben Prozent an Wirecard beteiligte Chef würde am  liebsten schon heute die Prognose für 2020 nach oben korrigieren: "Es  gibt viele Faktoren, die die Vision 2020 konservativ aussehen lassen",  so Braun. 2020 soll der Umsatz nach bisheriger Planung auf 3,2  Milliarden Euro steigen, 2025 soll die Zahl dann bei zehn Milliarden  Euro liegen. Im ersten Halbjahr hat Wirecard 1,2 Milliarden Euro Umsatz  generiert.

Nicht nur Wirecard wächst so stark, auch der niederländische  Konkurrent Adyen zum Beispiel. Dessen Kundschaft ist prominenter als die  von Wirecard, Das Unternehmen zählt neben den US-Techkonzernen  Facebook, Netflix, Spotify und dem französischen Kosmetikkonzern L'Oréal  auch die Händlerplattform Ebay dazu, die vom US-Branchenplatzhirsch und  der ehemaligem Tochter Paypal zu Adyen gewechselt ist.

Darüber hinaus hat sich die chinesische Kommunikations- und  Handelsplattform Alibaba jüngst für eine Kooperation mit dem  Bezahldienstleister mit Sitz in Amsterdam entschieden. Das spiegelt sich  in den Zahlen wider: Um 41 Prozent auf 221 Millionen Euro ist der  Adyen-Umsatz im ersten Halbjahr gestiegen. Dank der im Vergleich zu  Wirecard großen Kundschaft wächst Adyen deutlich profitabler.

Wirecard setzt mit Absicht vor allem auf Wachstum. Es gehe um  Steigerungsraten über dem Branchendurchschnitt, um Marktanteilsgewinne  und Innovationen, bekräftigte Braun jüngst auf einer Bankenveranstaltung  in Frankfurt.

Schneller als der Markt wachsen die europäischen  Jungunternehmen Wirecard und Adyen locker. Die Unternehmensberatung  McKinsey rechnet bis 2022 mit einem jährlichen Zuwachs von im Schnitt  neun Prozent pro Jahr. Dann soll der Markt 2,6 Billionen Euro Umsatz  generieren. 1,6 Billionen Euro sollen aus dem asiatischen Markt kommen,  also daher, wo sich Wirecard gerade positionieren will.

Probleme, mit den europäischen Shootingstars mitzuhalten, haben  alte Hasen wie Fiserv, Fidelity National, Paypal oder Global Payment,  Unternehmen vornehmlich aus den USA. Sie verzeichnen Wachstumsraten im  mittleren einstelligen und niedrigen zweistelligen Bereich.

Konsolidierung in Europa?

Das US-Research-Haus Bernstein hat sie als potenzielle Käufer  einer ganzen Reihe europäischer Firmen identifiziert. Neben Wirecard und  Adyen zählen demnach Worldline und Ingenico aus Frankreich zu den  potenziellen Zielen, zudem Nexi aus Italien wie auch Nets aus Dänemark.  Im August hat dort der Kreditkartendienstleister Mastercard zugeschlagen  und für knapp drei Milliarden Euro den Bereich Zahlungsdienstleistungen  und Echtzeittransaktionen übernommen. Im Vergleich zum US-Markt, wo im  ersten Halbjahr drei Übernahmen im Wert von 80 Milliarden Dollar  stattgefunden haben, ist es aber in Europa noch ruhig.

Wenn es nach den Bossen von Wirecard und Adyen geht, soll das  auch so bleiben. Pieter van der Does, Co-Gründer und Chef von Adyen,  sieht die Branche der Zahlungsdienstleister einer speziellen Logik  unterworfen. Da jedes Unternehmen eine eigene Plattform habe und es sehr  aufwendig sei, Plattformen zusammenzulegen oder das Geschäft auf  mehrere Plattformen zu verteilen, halte er Fusionen zwischen zwei  Zahlungsdienstleistern für wenig sinnvoll. "Ich habe bei Worldpay  gearbeitet, als das Unternehmen Zukäufe getätigt hat, und das war sehr  kompliziert", sagte van der Does in einem Interview.

Auch Wirecrad-Chef Braun ist nicht von Fusionen überzeugt. Wie  die stattliche Liste der Aschheimer zeigt, setzt er auf ergänzende  Kooperationen und nicht auf Übernahmen. "Wir sind heute alle Frenemies",  sagte er einmal über die Zusammenarbeit mit Banken und meinte damit,  dass die Unternehmen zwar Konkurrenten seien -aber gleichzeitig  aufeinander angewiesen, wenn es um Wachstum gehe. Die nächste große  Kooperation dürfte also greif bar sein. Dass der IT-Konzern Microsoft  und der asiatische Uber-Konkurrent Grab jüngst Gäste auf dem  Innovationstag von Wirecard waren, schürt Hoffnungen.

Unterdessen erweitert Paypal - mit einem Quartalsumsatz von  über vier Milliarden Dollar Branchenprimus unter den reinen  Bezahldienstleistern - sein Geschäft durch die Vergabe von Ratenkrediten  an die zahlenden Kunden in der App. Ein neuer Milliardenmarkt, der mehr  Wachstum verspricht als teils komplexe Fusionen.

2,9 Billionen US-Dollar Umsatz soll der Markt für Bezahldienstleistungen 2022 umfassen.

Copyright/Quelle/Zuerst erschienen bei: http://www.finanzen.net/


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