08337 / 740 148-0
Menü
Oktober 2019

Plötzlich ganz bescheiden

© Pixabay/geralt

"Euro am Sonntag" Nr. 37/2019 vom 14.09.2019 Seite 28 Ressort: Märkte

Es hat gereicht. Seit Dienstagabend ist der Technologiekonzern  Apple wieder mehr als eine Billion Dollar an der Wall Street wert. Die  Vorstellung neuer Produkte, allen voran der neuen iPhone- Versionen,  kamen bei Investoren besser an als erwartet. Ging der Aktienkurs zu  Beginn des Handelstags noch auf Tauchstation, so drehte er nach der  Präsentation von Konzernchef Tim Cook in New York ins Plus.

Wohl auch, weil Apple erstmals bescheidener wird. Cook hat  offenbar erkannt, dass Kunden Preissteigerungen wie bisher nicht mehr  akzeptieren. Erstmals in der Firmengeschichte bot Apple daher neue  Produkte günstiger an als im Vorjahr. So ist das iPhone 11 bei seinem  Debüt 50 Dollar billiger, als das neue Modell im Vorjahr war. Der  Konzern senkte auch die Preise für ältere Handys deutlich, das Modell XR  aus dem Jahr 2018 und das iPhone 8, das als Einsteigerversion im  Portfolio bleibt, gibt es künftig jeweils 190 Dollar billiger. Bei den  Top-Modellen iPhone 11 Pro und Pro Max mit drei statt zwei Kameralinsen  und angeblich bis zu fünf Stunden mehr Akku-Laufzeit wurde ebenfalls auf  höhere Preise verzichtet.

Für Analyst Chris Casio von der US-Investmentbank Raymond James  waren die neuen Preise "die wichtigste Nachricht" des Events: "Wir  werten das als Eingeständnis, dass Apple 2018 überzogen hat", sagt  Casio.

Konkurrenz stark, Markt schwierig

Für den erfolgsverwöhnten Technologiekonzern, dessen Geschäft  weiterhin vom iPhone geprägt wird, ist es wohl der einzige Weg, um die  Verkaufszahlen im wichtigen Weihnachtsquartal anzukurbeln. Der  US-Marktforscher IDC erwartet beim iPhone-Absatz in diesem Jahr ein  Minus von 15 Prozent. Zum Vergleich: Der weltweite Smartphone- Markt  soll demnach um mehr als zwei Prozent schrumpfen - es wäre der dritte Rückgang in Folge.

Apples neue Bescheidenheit steht im Zentrum der Strategie. So  wolle der Konzern seine Kunden überzeugen, später auch die  Dienstleistungen zu nutzen, sagt etwa IDC-Analyst Jitesh Ubrani. Bei  ihnen tritt Apple mit dem Streamingservice TV+ für Filme und Serien  sowie dem Dienst Arcade für Onlinevideospiele als Neueinsteiger gegen  starke Rivalen an.

Mit TV+ geht es für Apple ab November in hundert Ländern gegen  Netflix, Amazon und den Medienriesen Disney. Bei Onlinevideospielen muss  sich Apple gegen Rivalen wie Microsoft und Sony durchsetzen. In beiden  Märkten greift der Konzern mit Kampfpreisen an: Die Streaming-Abos der  Kalifornier kosten jeweils knapp fünf Dollar pro Monat. Primus Netf lix  berechnet mehr als zwölf Dollar. Bonus für die Käufer von  Apple-Hardware: Wer ein iPhone, iPad oder einen Computer erwirbt, kann  die beiden Dienste ein Jahr lang kostenlos nutzen.

Mehr Schwung für Dienste

Der Streaming-Vorstoß soll Apples Dienstleistungsgeschäft noch  mehr Schwung verleihen und die Abhängigkeit des Konzerns vom iPhone  verringern. Die riesige Basis von weltweit mehr als 1,4 Milliarden  Apple-Geräten - 900 Millionen davon sind iPhones -erleichtert den Start  wohl erheblich. Dan Ives von der US-Bank Wedbush Securities traut Apple  "in drei bis vier Jahren 100 Millionen Abonnenten" zu.

Dennoch wird es ein hartes Stück Arbeit. Nur wenige Menschen  nutzen mehr als zwei oder drei Streamingdienste gleichzeitig. Netflix  hat weltweit mehr als 150 Millionen Abonnenten. Amazon Prime Video wird  in den USA von mehr als 88 Millionen abonniert und ist im westlichen  Ausland sehr beliebt. Neueinsteiger Disney kann auf attraktive Inhalte  zurückgreifen -und geht mit Kampfpreisen an den Start.

Nicht nur Tim Cook sieht Apple auf dem richtigen Weg. Im  zweiten Quartal wurden zwölf Prozent Umsatzrückgang bei den iPhones  durch andere Bereiche kompensiert. Insgesamt stieg der Umsatz um ein  Prozent auf 53,8 Milliarden Dollar, gut 21 Prozent steuerten die Dienste  bei. Und Handys lieferten erstmals seit 2013 weniger als die Hälfte des  Gewinns. Die Wall Street schätzt es sehr, dass Apple nicht mehr so  stark vom iPhone abhängig ist.

INVESTOR-INFO

APPLE

Energie im Akku

Mit rund 211 Milliarden Dollar hat Apple die mit Abstand  höchsten Cashreserven im Techsektor. Der hochprofitable Konzern kann  sich seine Kampfpreise beim Streaming leisten. Ressourcen für einen  raschen Ausbau der Inhalte sind vorhanden. Ein Manko: Apple fertigt  vieles in China. Die ab Dezember geplanten US-Zölle auf Computer und  Handys sind vorübergehend ein Risiko. Seit Jahresbeginn hat die Aktie  schon über 40 Prozent zugelegt. Dennoch langfristig aussichtsreich.

Copyright/Quelle/Zuerst erschienen bei: http://www.finanzen.net/


WIR LEBEN BERATUNG
Sie wünschen einen Rückruf?
Wünschen Sie einen Termin?
Sie möchten Ihre Daten ändern?
 
 
 
 

Sie benötigen einen persönlichen Ansprechpartner oder individuelle Beratung? Wir rufen Sie gerne zurück und nehmen uns Zeit für Sie.
(* Pflichtfelder)

Nachricht (Erreichbarkeit)

Sie wünschen einen persönlichen Termin mit individueller Beratung? Wir freuen uns auf ein persönliches Treffen.

Nachricht (Terminvorschlag)

Sie sind umgezogen oder andere Daten haben sich geändert? Bitte teilen Sie uns kurz mit was wir ändern sollen damit Ihre Unterlagen immer auf dem neuesten Stand sind.
Wichtig: Übermitteln Sie uns auf diesem Wege keine Passwörter oder Zugangsdaten!

Nachricht (zu ändernde Daten)
nach oben